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Geocaching in Weißrussland (Belarus) 2017

Dieser Bericht entstand als Online-Tagebuch (jetzt sagt man Blog dazu - ich nicht, ich nenn es Online-Tagebuch).
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16.09.2017
Frankfurt
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Tag 1 – Frankfurt
Früh am Morgen sind wir Innergbirg aufgebrochen. In Salzburg haben wir dann den Rest der Reisegruppe aufgenommen. Mit dem IC nach München – wobei sich im Zug die heutige Eröffnung des heurigen Oktoberfestes in Kleidung (Dirndl, Lederhose) und manchen "Schlachtgesang" bemerkbar machte. Mit dem ICE nach Frankfurt Flughafen.
Ziel dieser Gruppenreise ist Weißrussland – für mich wieder die Gelegenheit, dort neben der Reise auch dem Hobby Geocachen zu frönen.

17.09.2017
MInsk
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Tag 1 – Minsk
Natürlich kamen wir in Frankfurt erst 2 Stunden später weg und landeten um 23.00 Uhr in Minsk.
Anstellen bei der Passkontrolle – ein Foto vom "Welcome"–Schild muss sein. Ein Foto von der Flugzeuglandungsliste muss sein. Da marschiert ein Soldat (Zöllner, Wächter, Security) auf und verlangt von mir, das eben geschossene Foto zu löschen. Ich fragte warum, da verwies er mich auf einen großen Anschlag, wo alle möglichen Verbote – vor allem das Fotografierverbot in der Zollzone – aufgelistet waren. Nur – bis zu diesem Schild war ich ja noch gar nicht gekommen. Ich zeigte ihm das (sehr verwackelte) Foto von der Landungsliste – ich löschte es brav. Das Foto vom Willkommenschild ließ er mir. Ich wollte dann noch den Anschlag fotografieren, damit ich weiß, was ich nicht fotografieren darf. Auch dies wurde mir verweigert. Ich erklärte ihm, dass ich mir die ganzen Verbote erst später durchlesen wollte – ich durfte nicht fotografieren. Aber dann lächelte er doch ein wenig und zog ab.
Direkt vom Flughafen fuhren wir per Bus ins vorbestellte Restaurant, wo dann um 23:30 das Essen auf dem Tisch stand – Salatteller, Bärlauchsuppe und dann (von mir verweigert) ein Steak.
Um 00:30 kamen wir ins Hotel und und 01:30 versank ich im Schlaf.

18.09.2017
Minsk
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Tag 2 – Minsk
Schon um 05:30 wachte ich auf und startete zur ersten Cacherrunde los. Frischer Wind, blauer Himmel, einige Wölkchen – so mag ich es.
Auf dem Weg zur Arbeit waren die Leute in Bussen, Straßenbahnen und der Metro unterwegs. Natürlich auch zu Fuß – Radfahrer sah ich keinen.
Rund um den See der Svislach fand ich doch einige Dosen.
Gemeinsam mit der Gruppe startete ich nach dem Frühstück den ersten Teil unserer Besichtigungsrunde um den See, den der Fluß Svislach bildete. Hier wurde in den letzten Jahren alles Alte entfernt (Häuser) und neue gewaltige Protzhäuser – teils Wohnbauten angelegt.
Die Umbauten wurden auch genutzt, um einige kleine Häuser im alten Stil neu zu bauen. Dieses Trojcka genannte Viertel ist mit Restaurants und Nachtleben gespickt. Dem dahinter liegenden Hügel mit Kirche wurde der Namen Oberstadt gegeben. Heute fand ein Fest statt, bei dem sich Juden mit Musik, Essen, Unterhaltung präsentierten. Einen Tag vorher waren es die Ukrainer, die das Fest ausrichteten.
Im See selber liegt eine künstliche Insel (Insel der Tränen), auf der ein Denkmal für die in Afghanistan gefallenen Soldaten errichtet wurde.
Mittagspause (mit Selbstversorgung) – was tat ichß Richtig!
Viele Denkmäler, besondere pompöse Regierungs–, Verwaltungs–, Minsteriumsgebäude kamen uns unter.
Bis zum Unabhängigkeitsplatz wurden uns von Wassili viele Seiten der Gebäude, aber auch – interessanter – viele Details über das Leben in Belarus erklärt.
Am späten Nachmittag trafen wir uns mit einer Redakteurin eine regierungsunabhängigen Zeitung, die uns sehr fachkundig berichtete.
Zeitung: Staatliche Unternehmen dürfen in unabhängigen Zeitungen keine Werbung schalten.
Staatliche Zeitungen erhalten Förderungen.
Arbeitlosigkeit: sehr gering, 1%. Unternehmen dürfen keine Leute entlassen. Das Arbeitslosengeld beträgt ca. 10$ (Dollar) pro Monat und die Verpflichtung gemeinnützige Arbeiten zu verrichten. Viele Arbeitslose melden sich daher gar nicht als arbeitslos, um diesen Arbeiten zu entgehen – daher sind sie auch offiziell nicht arbeitlos. Facharbeiter, die keine Arbeit haben, wandern ins Ausland ab (z.B. Russland) und scheiden damit auch aus der Statistik.
Medizinische Versorgung: ist sehr gut – zumindest in Minsk. Ein Arzt bekommt 200 $ (Dollar). Viele ärzte wandern in den arabischen Raum ab, wo sie das 15–fache verdienen.
Die medizinische Betreuung ist kostenlos, man muss aber lange warten auf Operationen.
Schneller geht es in Privatkliniken, in denen auch ärzte aus den staatlichen Einrichtungen arbeiten – diese verdienen dann natürlich am Privatpatienten.
Die Qualifizierung der staatlichen Lehrer ist nicht besonders gut. Die Eltern müssen (wenn sie können), sehr viel in die Nachhilfe der Kinder stecken. Die Lehrer, die staatlich wenig verdienen, gehen in der Pension in die Nachhilfe, um dort das Mehrfache zu verdienen.
Besonders gefragt sind IT–Fachkräfte, die auch bestens verdienen.
Mindestlohn 70 – 80$
Abendessen in einem Trojcka–Restaurants.

18.09.2017
Minsk
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Tag 3 – Minsk
Wieder begann der heutige Tag mit der Bettflucht. Diesmal benutzte ich den Bus Nr. 1 zum Hauptbahnhof (woksal). öffentlicher Verkehr ist immer interessant – wie schauen die Leute ein, fährt der Bus dorthin, wo man möchte, biegt er unerwartet ab, bieten Jugendliche einem alten Mann – wie mir – einen Platz an, usw.
Am Bahnhof besichtigte ich auf alle Fälle mal die Bahnhofshalle mit den Abfahrzeiten – woher, wohin geht es von Minsk.
Nachdem ich in einem Park mehrere Metallfiguren aufgesucht, untersucht, vor einem Casino Blumenleuchten gezählt, unter Bänken reingegriffen, unter einen Elektroverteilerkasten reingeleuchtet hatte, und damit einige Dosen zu Tage befördert hatte, kehrte ich zurück zum Frühstück ins Hotel.
Um 10:00 Uhr hat sich der deutsche Botschafter in Minsk angesagt. Das gestrige Gespräch mit der Journalistin war ja sehr interessant gewesen.
Der Botschafter Peter Dettmar ist seit 2015 in Minsk. Bezüglich des großen Manövers Weißrussland und Russland Zapad 2017, das derzeit in Weißrussland stattfindet, betonte er, dass es sich um eine regelmäßige normale übung handelt, wie sie alle 2 Jahre abgehalten wird. Er geht davon aus, das am 30.09.2017 die Russische Mannschaft mit Soldaten und Waffen vollständig abziehen. Der in den westlichen Medien geäußerte Verdacht auf ein Verbleiben der Russen in Belarus sei sinnlos.
2015 wurde Sanktionen der EU gegenüber Belarus aufgehoben – derzeit bis auf militärisches Material. Es gibt einen intensiven Gesprächsdialog zwischen Deutschland und Belarus.
Die wirtschaftliche Abhängigkeit BY von Russland ist groß. 95% des Gases, das zur Stromerzeugung verwendet wird, kommt aus Russland.
Erdöl im Lande gibt es wenig, viel wird von Russland zu Sonderpreisen bezogen. Das importierte russische Erdöl wird zum Teil zu Weltmarktpreisen weiterverkauft, sodass BY Nutznießer des Preisunterschiedes ist. Dieser überschuss fließt ins BY–Budget. Dadurch fördert Russland das BY–Budget.
BY ist der 4.–größte Milchproduzent der Erde.
Wichtige Handelspartner für Industrieerzeugnisse aus BY sind die Staaten der östlichen Partnerschaft (Russland, Kasachstan, Kirgisien, Armenien, BY). Traktoren (Marke Belarus), Fernseher (minderer Qualität), weiße Ware (Waschmaschinen) werden in diese Länder exportiert.
China drängt sehr stark nach BY – Hotel, Bürokomplexe werden von Chinesen finanziert, gebaut und bewirtschaftet.
BY war in der Geschichte immer wieder Opfer – Litauisches Reich, Polen, Napoleon, Russisches Zarenreich, Kommunismus, 1. Weltkrieg, Stalin, Nationalsozialismus.
Trotz der negativen Erfahrungen mit Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg ist Deutschland der beliebteste Handelspartner von BY.
Nach dem Mittagessen in der Oberstadt führte uns der Bus im Regen nach Kurapaty am Stadtrand von Minsk – einem Gelände, auf dem das sowjetische NKWD im Zeitraum von 1937 bis 1941 zehntausende (möglicherweise mehr als 250.000) Menschen zunächst mit LKWs heranschaffen, vornehmlich durch Erschießen ermorden und hinterher in Massengräbern verscharren ließ. Hier wurden wir von einer Führerin – die weißrussisch sprach, was für uns von unserem Begleiter Wassili übersetzt wurde – über einen Teil des Geländes geführt. Auf alle Fälle lies das im Wikipedia. Ein bedrückender Besuch.
Weiter fuhren wir nach Chatyn. Hier besichtigten wir in Sturm und Regen die nicht mehr vorhandenen Reste des Dorfes Chatyn. Diese wurden symbolisch neu errichtet und als Gedenkstätte eingerichtet. Seine Bevölkerung wurde 1943 von Mitgliedern der deutschen SS ermordet; dabei wurde das Dorf niedergebrannt. Es wurde nach 1945 nicht wieder aufgebaut. Auf alle Fälle lies das im Wikipedia. Ein bedrückender Besuch.

19.09.2017
Minsk
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Tag 4 – Minsk
Frühstück – was sonst – vorher ab 05:30 eine 5 km–Runde.
Um 09:00 Uhr holte uns unser Wassili ab und führte uns durch das ehemalige Judenghetto in Minsk. An den wenigen verbliebenen Stätten wanderten wir die Grenzen des Ghettos ab. Kuzma Kozak, Leiter der IBB–Geschichtswerkstatt Minsk, erklärte uns die Bedeutung und den Anlass der einzelnen Gedenkstätten. Ein Höhepunkt war die Begegnung mit Maja Isaakovna, die als Zeitzeugin von ihren Lebenslauf und von ihren Erlebnissen im Ghetto bis zum heutigen Tag berichtete.
Unbedingt lesen.
Zur Mittagszeit war es ideal den großen Obst, Gemüsen, Fleisch, Brot–Markt Komarovskiy Market zu besuchen. Beeindruckend, was alle angeboten wird. Hier versorgten sich jeder mit einer kleinen Mittagsjause.
Für Nachmittag stand der Besuch des Vernichtungslagers Maly Trostinez am Programm. Hier handelt es sich um ein Lager der Nationalsozialisten, um die Juden Europas zu vernichten. Die Bevölkerung von Belarus sollte zu 3/4 getötet werden, das restliche Viertel sollte als Sklaven für die anzusiedelnde deutsche Bevölkerung arbeiten. Maly Trostinez war der Endpunkt für Juden aus ganz Europa. Unbedingt lesen.
Auf der Rückfahrt wechselte ich von der Gruppenreise in eine Individualreise und fuhr per Metro, Tram und Bus - natürlich mit entsprechender Geocacherausbeutex - zum Hotel zurück.

20.09.2017
Minsk
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Tag 5 – Minsk
Frühstück – was sonst – vorher ab 06:10 eine 2 Stunden–Runde im Regen. Die Anzahl der Geocaches läppert sich ganz schön zusammen. Manche sind in eher sensiblen Verstecken untergebracht – ganz wenig fand ich nicht.
Wassili führte uns in das in der Nähe befindliche Weißrussische Staatsmuseum des Großen Vaterländischen Kriegs. Hier wird in guter Aufmachung vom Angriff Hitlers auf Weißrussland bis zur Befreiung durch die Rote Armee Unterlagen in Bild, Film, Dioramen, Echtwaffen dargestellt. Wir wurden von eine Dame durchgeführt, wobei Wassili wieder dolmetschte. In jedem Schauraum saßen (immer weibliche) Aufpasserinnen, die manchmal sehr wichtig dreinschauten, aber manchmal auch zum Lächeln bereit waren.
Gleich anschließend lieferte uns der Linienbus 1 zur Minsk–Arena. Ich erwartete ein Fußballstadion (was mich mäßig interessiert hätte), bekam aber eine Radstadion für Hallenradrennen, eine große Eishalle mit 2 Eishockeyplätzen und einer 400 m – Eisschnelllaufbahn, eine noch größere Eishallen mit 15.000 Sitzplätzen zu sehen. Dort wurde gerade im Paarlauf trainiert. Minsk–Arena. Auf dem Weg aus der Arena kamen wir auch bei der Kantine vorbei, wo es verlockend roch – aber es hieß durchhalten.
Zurück mit dem Bus 1 zum Hotel nutzten einige die Einkaufsmöglichkeit im nahen Shopping–Center, andere führen weiter zum Bahnhof, um dort Züge, Fahrpläne zu studieren, wieder andere blieben im Hotel.
Für 16:30 war das Mittag/Abendessen angesetzt. Wir trafen uns in einem Restaurant, das uns im Schnellbetrieb mit den Gängen versorgte. Vorspeise war ein Majonnaisesalat mit Dill und eine Fleischplatte mit (fettem) Speck, Sulze (Presssack), Gemüse und Schwarzbrot. Bevor wir uns daran satt essen konnten, wurde Borschtsch (diesmal warm) serviert. Licht aus – Musik laut – und schon marschierte die Serviermannschaft (eigentlich Servierfrauschaft) mit Tischfeuerwerk versehenen Hauptspeisen ("TV–Serie Traumschiff") herein – große Fleischstücke und die köstlichen Kartoffelpuffer. Während wir am Fleisch nagten wurde bereits die Nachspeise auf den Tisch gestellt. Kaffee und Tee war auch gleich da – und überraschend schnell lagen die Rechnungen für die Extragetränke (Pivo, Wodka) auf dem Tisch.
Per Taxi machten wir uns auf zum Bolschoi–Theater Minsk, wo wir eine Aufführung des Balletts Nussknacker von Tschaikowsky genossen. Mir hat das sehr gut gefallen.
Ein Geocache von heute Nachmittag lag mir etwas im Magen. In einem Park war ein Rätsel zu lösen, das den endgültigen Platz der Dose angab. Der Zielort war 5 m vom Zaun der Ukrainischen Botschaft entfernt. In der Beschreibung zu diesem Geocache steht: „Achtung! Jede 30 Minuten wird das Gelände von der Security von 2 Seiten kontrolliert. Es kann sein, dass überwachungskameras auf den Zielort zeigen. Um zum Versteck zu gelangen, verhalte dich so geheim wie möglich und suche schnell. Es ist ideal zu warten, bis die Patrouille die Runde fertig hat.“ So weit so gut, ich kam hin, sah einen Security–Mann langsam schlendern. Ich grüßte freundlich, er reagierte abweisend. Ich schlenderte auch und wurde misstrauisch begutachtet. Nachdem er keinen Anstalten machte, seine Runde woanders fortzusetzen, spazierte ich im Park herum, wobei er immer mit nachschaute – mit meinem roten Kapperl und dem roten Anorak war ich ja leicht zu sehen. Eine Schulklasse kam in den Park, dessen Lärm und Herumtollen ich ausnutzte, mich dem Zielort zu nähern. Fast erfolglos. In einem kurzen Augenblick öffnete ich das Versteck (eines der Deckeln in der Wiese, unter denen Wasserleitungen abgesperrt werden können. Flott marschierte ich weit weg und loggte den Papierstreifen. Jetzt kam das Problem des unbeobachteten Zurücklegens. Es war mir nicht möglich, der Mann stand, schaute – was tunß Logisch! Ich nahm die Dose mit ins Hotel. Nach dem Theater machte ich mich im Dunklen auf, die Dose zurückzulegen. Ich näherte mich der Botschaft und dem Park auf der von Bäumen dunklen Straßenseite – zusätzlich habe ich mich getarnt mit einem blauen Pullover (anstelle der roten Jacke). Natürlich stand jetzt ein anderer jüngerer genau bei den Büschen, an denen ich zurücklegen musste. Ich spielte Indianer, beobachtete aus dem Dunkeln heraus, näherte mich dem Wasserdeckel – immer den Wächter im Blickwinkel. Ein kurzer Moment, er ging gerade um den Busch herum und die Dose war wieder im Versteck. Zielstrebig verließ ich den Park. Ob ich wohl einen amtlichen Beobachtungsbericht ausgelöst hatteß Wer weiß!


21.09.2017
Vitebsk
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Tag 6 – Vitebsk
Heute nicht früh auf – erst um 06:10. Zusammengepackt habe ich bereits gestern. Um 07:00 Uhr Frühstück und dann verabschiedeten wir uns vom Hotel Planeta. Durch den Morgenstau quälte sich unser Bus Richtung Norden. Pünktlich begann es wieder zu regnen.
Die Autobahn wich bald einer normalen Landstraße. Leicht hügelig, meist schnurgerade verlief die Straße. Entlang der Straße waren immer wieder Autos geparkt, dessen Fahrer in die Wälder ausschwärmten und Pilze sammelten. Diese wurden eimerweise am Straßenrand verkauft. Aber auch am Gemüse– und Obstmarkt in Minsk saßen Männer und Frauen mit 10–Liter–Kübeln voller Pilze da. [1 kg Eierschwammerl 8,50 Rubel => ca. 4€].Die Diskussion betreff der tschernobylischen Verseuchung der Pilze ergab – man kann die Pilze untersuchen lassen. Gebiete, deren Pilze genießbar sind, werden von den Sammlern abgegrast. Die anderen Gebiete sind noch tabu.
Die von mir angeregte Kaffeepause fand leider nicht an der Raststätte statt, wo ein Geocache war, sondern 30 km weiter – naja!
Gegen Mittag kamen wir in Polozk an – der ältesten Stadt in Belarus. Eine Besichtigung des Euphrosyne–Klosters fand bei mir nicht die göttliche Beachtung. Ganz in der Nähe war die Sophienkathedrale, die in ihrem Untergrund Reste einer alten Vorgängerkirche beherbergt. Für mich war der in der Nähe versteckte Geocache von Bedeutung – etwas schmutzig wurde ich dabei, aber was solls.
Im Stadtzentrum von Polozk war unsere Aufgabe, in 1 Stunden gesättigt und erholt zurückzukommen. Für mich war der Mittelpunkt Europas interessant, der einer der vielen Mittelpunkte Europas ist. Im Wikipediaartikel wird dieser Mittelpunkt in Polozk nicht erwähnt. Bei dem nördlich von Vilnius war ich ja schon 2–mal (unter anderem auch mit dem Fahrrad). Beim Denkmal für den Mittelpunkt Europas sollte ein Geocache versteckt sein. Trotz (sich sehr unauffälliger) Suche – ich griff in sämtliche (auch schmutzige) Löcher des Denkmals – fand ich keine und ich beschloss, dass diese vorhandene Dose nicht mehr vorhanden ist. Was tunß Ich besorgte mit einen kleinen Notizblock, eine Plastikhülle drüber und versteckte das dort, wo es meiner Meinung nach sein sollte.
Unser nächstes Ziel war das Museum für Buchdruckkunst – der erste Drucker Weißrusslands, Francysk Skaryna, wurde um 1490 in Polazk geboren. Er druckte im Jahre 1517 die erste Bibel in ostslawischer Sprache (in Altruthenisch).
Die nächste 80 km fuhren wir durch Wälder, Wiesen und wenige äcker (Kartoffeln, Mais).
Das Ziel Vitebsk war bald erreicht, das Hotel Eridan bezogen und zum nächsten Restaurant zum Essen marschiert. Vor dem Abendessen entdeckte ich (wirklich ganz zufällig) noch eine Dose beim Chagall–Museum, dem wir morgen einen Besuch abstatten werden.

22.09.2017
Vitebsk
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Tag 7 – Vitebsk
Heute früh auf und wieder 5 km heruntergespult. Dabei habe ich einiges gelernt über heldenhafte Monumente, Kränze die davor liegen, (21) Leuchten die diese Monumente abends hervorheben, Brücken, die Löwen (4) drauf haben und mit Liebesschlössern behängt sind, das Jahr der Errichtung einer Metropolitenstatue (2012). Dann bin ich im Wald herumgekrabbelt und habe doch die Dose gefunden. Bei diesem Geocache war ich überhaupt der erste, der den gefunden hat [ein FTF = first to find].
Wassili wurde seit Minsk von Ludmilla abgelöst. Diese benagelte uns mit Jahreszahlen, Jahrhundertzahlen, Kirchenbauten, Monumenten, anderen Gebäuden, in denen der Zar Peter I. mal genächtigt hat. Da Vitebsk auf Hügeln liegt, hieß es für uns rauf, runter, rauf, runter. Da einige in der Gruppe etwas schlecht zu Fuß sind, wurde der Drang nach einer Klopause und anschließender Kaffeepause übermächtig, sodass wir die letzten x Kirchen von gefühlten 20 nur auf freiwilliger Basis und in Selbsttätigkeit erforschen konnten.
Die Mittagspause nutzt ich, um weit nach Norden zu fahren – stieg aber dabei in den falschen Bus und fuhr zum Bahnhof. Bahnhof ist immer gutt!
Ein Geocacher–Rätsel zu einer Dose war leicht zu lösen, die Zielkoordinaten zeigten aber auf einen Park im Norden. Hatte ich mich verrechnetß Ein dreimaliges Nachrechnen ergab 3x dasselbe Ergebnis.
Genau dahin wollte ich vom Bahnhof weg fahren, nahm auch den richtigen Bus, aber während der Fahrt entschied ich mich zu einer Mittagspause im Hotelzimmer.
Um 14:00 Uhr stand das Wohnhaus von Marc Chagall auf dem Programm. In den winzigen Räumen war Bett, Kasten, Küche, Kaufladen der Eltern untergebracht und unsere Gruppe staute sich. Der Stau war dann so groß, dass ein Teil während der Führung den angenehmen Garten in Anspruch nahm. Ein kleiner Museumsshop erwies sich als wenig ertragreich – "nix Gscheits".
Der Besuch endete mit einem kleinen Zwischenfall. Eine der (böse und streng schauenden) Aufpasserinnen stellte fest, dass nach unserem Besuch aus dem Kaufladen zwei Wiegegewichte fehlten. Mit Fotos, die einige von uns gemacht hatten, sollte sich die Sache klären lassen, ob die Gewichte schon vor unserem Besuch weg waren. Alle möglichen Varianten wurden durchgekaut, ob die anderen 3 Besuche, die sich in unsere Gruppe gemischt hattenß Ob die Gewichte schon länger weg seienß Eine einhellige Aussage: keiner unserer Gruppe hat die Gewichte mitgenommen. Ergebnis: eines der großen Geheimnisse der Menschheit wird wohl nicht geklärt werden.
Marc Chagall hat neben dem wohnen in seinem Wohnhaus, auch Bilder gemalt. Einige davon sind im Chagall Art Museum ausgestellt. Natürlich besuchten wir dieses Museum. Wir wurden von 4 (finster blickenden) Aufpasserinnen empfangen – ob die Damen aus dem Wohnhaus die Damen im Kunsthaus bereits über die Gruppe informiert hattenß Im ersten Raum hingen 30 Bilder, die uns einzeln erklärt wurden. Leider läutete bei Bild Nr. 9 mein Handy. Um den weiteren Verlauf nicht zu stören, verließ ich das Haus, stellte fest, dass es doch nicht mein Handy gewesen war, wagte aber nicht mehr zur Führung zurückzukehren.
Also nahm ich den Bus Nr. 12 in den Norden. Mit meinem GPS–Gerät stellte ich fest, dass der Bus wirklich in die gewollte Richtung fuhr – ein Schreck, war, dass der Bus auf dem Leninplatz eine Runde drehte. Aber mich erschüttert nichts so schnell. Der Fahrer nahm dann doch die weitere Runde zum Park. Ein großer Park teilweise im Wald, aber auch mit großen Freiflächen, mit Vergnügungstechnik, in dem junge Elternpaare mit Kinderwagen, Kinderädern unterwegs waren.
Am Zielort des Rätsels von heute Früh irrte ich im Umkreis von 20 m herum, konzentrierte mich und fand die kleine Dose bei einem Schranken. Eine weitere Dose (ohne Rätsel) blieb unter den Augen eines bellenden Wachhundes unentdeckt.
Bei der Rückfahrt stürzte ich mich in das Vergnügen, mit einem/einer Marschrutki zu fahren. Das sind Kleinbus–Sammeltaxis, die sehr teuer sind (1 Rubel im Marschrutki statt 45 Kopeken im öffentlichen Bus). (1 Rubel = 50 Eurocent). Die Maschrutki fahren die normalen Haltestellen an, sind aber viel schneller als die Busse.
So und jetzt habe ich den Bericht von heute fertig und um 19:00 Uhr gibt’s Abendessen im Restaurant "Zolotoj Lev".

23.09.2017
Minsk Airport
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Tag 8 – Minsk International Airport
Nochmals bin ich in der Früh zu einem Cache in der Nähe des Hotels. Zweimal war ich dort – das erste Mal fand ich das Museum in dessen Innenhof die Dose war versperrt vor (nur von 10:00 – 17:00 offen). Das zweite Mal war das Museum offen, aber derzeit wird es renoviert, also ist es überhaupt gesperrt – offen nur für die Beschäftigten. Aber ich merkte, dass ein Gartentor offen war und ging in den Innenhof. Ich suchte und fand nichts. Und genau zu dieser Dose ging ich heute früh im Dunkeln, das Gartentor war nur angelehnt, ich schaltete meine Taschenlampe ein (sehr unauffällig) und suchte nochmals. Außer eine Katze, die mich groß anschaute war da nichts – schade!
Der Rest ist kurz erzählt. Busfahrt 270 km auf Autobahn mit 2maliger Kurzpause. In einer der Pausen wollte ich meine Fähigkeiten als Schwammerlsucher testen und fand im Wald neben der Raststätte einen 30 cm großen Parasol. Ein Foto gibt es, aber derzeit nur in meinem Fotoapparat.
Am Flughafen in Minsk checkten wir gemeinsam ein – wir hatten ein Gruppenvisum. An der Passkontrolle wurden uns die kleine weißen Zettelchen abgenommen. Diese waren im Flugzeug beim Herflug auszufüllen und wurden mit dem Ausreisestempel versehen. Jedes der beiden Hotels bestätigte auf der Rückseite den Aufenthalt. Ohne diese unscheinbar Papier geht offensichtlich gar nichts. Die Paßdame nahm mir das Zettelchen ab und stempelte es und behielt es sich. Der Pass wurde wieder mit Uhrmacherlupe auf Echtheit (oder Schönheit) überprüft.
Endlich im Außenbereich angekommen konnten wir es uns an einem der vielen Imbiss–Cafes verköstigen. Es stellte sich heraus, dass es einen Burgerking gab, bei dem sich nach und nach alle Mitglieder der Reisegruppe einfanden (es gab nichts anderes).
Damit endet dieser Reisebericht. danke fürs Lesen.