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Geocaching in Montenegro 2016

Dieser Bericht entsteht als Online-Tagebuch (jetzt sagt man Blog dazu - ich nicht, ich nenn es Online-Tagebuch).
Ich hoffe, dass ich jeden Abend einen Bericht über den Tag eintragen kann.
Bilder
16.10.2016
Noch daheim
Am kommenden Freitag geht es los. Fünf Tage Kurzreise nach Montenegro = Crna Gora.

21.10.2016
Istanbul
Ich bin zwar noch nicht weit gekommen.
Ab Salzburg bin ich mit der Turkish Airlines um 14:00 Uhr (eigentlich dann hier 15:00 Uhr) gelandet. Da mein Weiterflug nach Podgorica erst um 18:20 (töakish taim) losgeht, hatte ich geplant, raus auf den Flughafenvorplatz und den dortigen Cache zu holen. Auch in der weiterer Nähe (irgendwie klingt das komisch - weit und Nähe) des Flughafens hatte ich einige Caches vorbereitet.
ABER: damit müsste ich das Flughafengebäude verlassen und in die Türkei einreisen. Das ist mit Zollkontrolle und natürlich mit einem Visum (20 €) verbunden. Dann für 20 Minuten raus aus dem Haus und rein ins Verkehrsgewühl zum Fundort. Also, bevor ich mich da auf einen versäumten Anschlussflug eingelassen hätte, verzichtete ich schweren Herzens.
Diese Entscheidung fiel mir umso leichter, da ich beim Einreiseschalter eine schier unendlich scheinende Einreisemenge vorfand.
Also nix mit Geocaching in der Türkei.

Ich suchte dann in dem riesigen Flughafengebäude ein ruhiges Plätzchen, um mit meinem Reiselappi ins Netz zu gehen. Als erste Anlaufstelle fand ich das Netz von Turk Telekom WIFI AIRPORT FREE. Hier kann man sich für 2 Stunden reinhängen, wenn man seine Handynummer eingibt. Dann soll ein SMS mit Code geschickt werden. Ich hab's nicht zusammengebracht - kein SMS kam daher...
Also wo gibt es hier noch ein freies WIFI?- natürlich bei Starbucks!
Also kauf ich mir einen Kaffee und setze mich rein. Starbucks hat die für mich unangenehme Eigenschaft, dass man bei jeder Bestellung seinen Vornamen angeben muss, der dann auf den Becher geschrieben wird und nach Fertigstellung ausgerufen wird und dann bekommt man den Kaffee. Ich habe mir angewöhnt (ich gehe sehr selten zum Starbucks, weil mir der Kaffee nicht schmeckt), immer den Vornamen der Bedienungsperson anzusagen. Vor mir war ein Kanadier (zumindest hatte er so einen Pass) und sagte seinen Vornamen Hamed an. Da die ihn bedienende männliche Person auch ein Brustschild Hamed hatte, dachte ich mir, der hat denselben Trick wie ich. Aber der Kunde hieß wirklich Hamed, wie er mir auf eine entsprechende Bemerkung erklärte.
Heute war es ein Fräulein (oder muss man Mädchen oder junge Frau sagen) mit dem Namen Gamsee. Also nix Peter, sondern Gamsee angesagt. Das produzierte bei dem Mädchen einen Lachanfall, sie drehte sich zu einem anderen Bediener und erklärte ihm, dass ich Gamsee heiße. Beide lachten (mich aus?). Aber das war gut so.
Nachdem bezahlt wurde und ich bei der Ausgabe den Espresso abholen wollte und Gamsee sagte, blickte mich der an, als ob ich der falsche sei. Kein weiblicher Kunde weit und breit. Nur ich. Nach Rückfrage an die Gamsee erhielt ich dann doch meinen Espresso.
Und so sitze ich hier und warte und freue mich schon auf den Weiterflug.
Und wenn Du meinst, dass wäre nicht so witzig, dann kannst Du recht haben - für mich ist es eine nette Abwechslung in der öden Wartezeit gewesen.

So, damit sind meine Versuche geschlechtsneutrale Berichte zu schreiben beendet.


21.10.2016
Podgorica
Der Rest des Tages ist unspektakulär verlaufen. In den nächsten Flieger eingestiegen, drittletzte Reihe zu zweit - das tut den Beinen und den Ellbogen gut.
Es wird dunkel beim Abflug, es ist dunkel bei der Landung.
Bei der Passkontrolle drückt mir die Dame den ersten Stempel in meinen seit 2015 gültigen Pass und bemerkt dies mit Erstaunen. Für mich heißt das, dass ich seit dem neuen Pass "nur" in der EU unterwegs war. Dafür ist der Stempel schön!
Bilder

Bilder gibt es auch schon, aber der Aussagewert ist sehr gering!
Der Herr vom Mietwagen wartete auf mich schon in der Empfangshalle. Einen schönen Skoda (gesprochen "schkoda") habe ich mit 38.000 km und einigen Makern (auf Deutsch Dellen und Kratzern).
Und schon installierte ich mein NAVI (es redet deutsch mit mir!), mein GPS und startete durch die dunkle Nacht zum Hotel Keto (36 € inkl. Frühstück).
Und jetzt sitz ich im Zimmer mit einem Bier und tippe.

Solltest Du bis hierher gelesen haben und Du noch weiteres lesen willst, kannst Du ja meinen Radbericht von 2006 studieren.

22.10.2016
Budva
Da das Frühstück erst ab 07:00 Uhr zur Verfügung steht, machte ich mich früh am Morgen (05:57) auf zum ersten montegrinischen Cache. Der Befand sich auf einem Hügel, der als Morgensport, Wanderweg, Bikingtrail (so heißt ein Radweg) dient und wahrscheinlich abends als Treffpunkt für ???
View of Podgorica - Gorica Hill: eine breite Straße (gesperrt) mit eigenem Radstreifen führte in sanften langgezogenen Windungen nach oben. Alleine tappte ich im Dunkeln dahin. Alleine? Nein, da waren andere Frühaufsteher, Bettflüchtlinge unterwegs. Nach 1/2 Stunde erreichte ich den Aussichtspunkt. Die erwachende Stadt lag mir zu Füßen - klingt gut. Die Dose ist auf der Bilderseite zu betrachten - schaut eh wie jede Dose aus.
Beim Rückweg wollte ich die langen Serpentinen abschneiden. Da war auch so etwas wie ein Weg, oder täuschte ich mich? Nach 100 m war der Weg mehr zugewachsen und da es in der Nacht stark geregnet hatte, wurden meine Schuhe und die Jean ganz nass - oje. Wäre auch nicht so blöd gewesen, wenn ich wenigstens zur nächsten Strassenquerung gekommen wäre, aber... Nix da, ich musste wieder rauf und wurde noch nässer. Alle, die mich kennen, werden sagen: "typisch!!", die anderen werden hoffentlich tiefstes Mitleid mit mir haben: "Oh der arme...".
Schließlich dachte ich, nass ist nass und bin dann gleich zum Podgoricaner Hundetreff gefahren. Direkt neben der vor 11 Jahren erbauten Milleniums-Brücke geht ein Fußgängersteg über die Moraca. Bei der fand ich die nächste Dose und wunderte mich auch, dass die Imbiss-Grillstube um 06:30 schon offen hatte.
Zurück im Hotel, duschte ich, zog trockenes Zeug an und frühstückte (was ich daheim nie mache).
Und dann startete ich im neuerlichen Regen los zum Skadarsko jezero, dem Skutarisee. Der gehört zu Albanien und Montenegro. Der See ist zweigeteilt in einen kleinen nördlichen Teil (Naturschutzgebiet) und einen großen südlichen Teil. Die Trennung macht ein Damm für Eisenbahn und Straße. Mitten auf der Dammstrecke ist eine kleine Insel mit einer Festungsruine. Dort musste ich hin.
Da für einen Wanderweg kein Platz vorgesehen ist, trabte ich auf und neben den Eisenbahnschienen diese 400 m dahin. Und natürlich regnete es wieder - mein trockenes Zeug wäre wieder nassgeworden, wenn ich nicht sooo schlau wäre. Bevor ich zur Ruine aufbrach zog ich das nasse Zeug (Schuhe und Hose) an, mit Kapperl gegen den Regen auf die Brille und die Regenjacke.
Solche Festungsruinen aus der österreichisch-ungarischen Monarchie gibt es hier in großen Mengen. Auf jedem ausgesetzten Punkt gibt es solche. Die Dose war schnell gefunden, Den Hinweis im Listing auf Schlangen habe ich großzügig ignoriert - erstens regnete es, zweitens ist schon Herbst, drittens bei meinem Elefantengetrampel bleibt keine Schlange mehr da.
Am anderen Ende des Dammes liegt der Ort Vipazar. Das ist ein Fremdenverkehrsort. Es werden Schifffahrten, Surfkurse, Paddelfahrten angeboten. Diese Dose war weg, aber ich habe natürlich immer Ersatzdosen mit.
Auf der Weiterfahrt auf der engen, einspurigen, kurvenreichen Straße am Hang über dem Skutarisee erlebte ich ein farbenfreudiges Fahren. Die Herbstfarben der Bäume waren beeindruckend. Dazu kamen die weißen Kalkfelsen. Immer wieder hörte der Regen auf, Nebel zog auf und wieder weg. Es war super.
Zwei Radfahrer kamen mir unter - ich beneidete sie. Gerne täte ich es ihnen gleich.
Auf dieser 40 km langen Strecke gab es noch 2 Dosen zu finden, kaum Ansiedlungen - und dann auf einmal. Ganz seltsame, große Bäume bildete eine besondere Stimmung. Laub lag auf der Straße, Stachelkugeln dazwischen und im Wald sprangen Leute umher - Edelkastanien (Maroni) wachsen da (wild?).
Nach 2 Stunden erreichte ich die nächste größere Ortschaft Ostros. Dort gönnte ich mir einen Espresso (der billigste bisher - 50 cent), Brot und Streichkäse (denn mag ich nämlich besonders gern). Der Streichkäse von der Marke Happy Cow stammt aus der Milch von Flachgauer Kühen (Käserei Woerle).
Schön langsam näherte ich mich dem höchsten Punkt dieser Gebirgsquerung Stegvas 916 m. Auf einmal hatte ich links neben mit den Skutarisee, den ich vor lauter Nebel nicht sah und rechts das Meer (hier die Adria), wolken- und nebelfrei.
Funkmasten standen hier auf jedem Mugel - die Grenze zu Albanien war nur 400 m weit weg. Ich blickte auch nach Albanien hinüber.
Ein Polizeiauto fuhr von der Straße ab Richtung z mir, aber vorbei bei mir und blieb bald darauf versteckt stehen. Hatte ich was angestellt? Habe ich meine Kompetenzen überschritten? NEIN! Ich schlich nach. Der Polizist parkte das Auto und hatte den Fahrersitz runtergekurbelt und ruhte aus. Ich räusperte mich beim Vorbeigehen, wobei er sich gleich wieder aufrichtete - aber dann wieder hinlegte. Es muss schon anstrengend sein, Polizist zu sein.
Endlich kam ich zu meinem südlichsten Punkt - Ulcinj. Ein Fremdenverkehrsort in der Nachsaison bzw. am Ende der Saison. Von den Beschriftungen der Geschäfte erkannte ich Russen, Serben als die Haupttouristen.
Auf der Festungsruine fand ich die nächste Dose und gleich weiter nach 10 km die nächste. Von der Festung aus hatte ich einen Blick auf den Friedhof. Wenn man das Bild anschaut ist es klar, dass das Land Crna Gora, Montenegro oder Schwarze Berge heißt.
Und schon zweigte ich wieder ab zu einem Campingplatz hoch oben in den Bergen in einem Olivenhain. Dort stand ich vor dem versperrten Tor (der Campingplatz hatte schon zu) und drinnen war die Dose. Da rührte sich was und ich rief. Da kam ein junger Bursch aus dem Platz her. Ich erklärte ihm, was ich wolle. Ich müsse unbedingt auf den Platz hinein. Es stellte sich heraus, dass ein Pärchen aus Leipzig hier Urlaub machte. Seit 14 Tagen waren sie schon unterwegs mit Auto und hauptsächlich Wandern. Sie seien die einzigen auf dem Platz in einem weitläufigen Olivenhain. Bergwanderungen, Weitwanderungen, das waren ihre Beschäftigungen. Sie zeigten Interesse, wie ich hier die Dose finden würde - natürlich war die dann gleich gefunden. Sie erzählten mir, dass es kaum Wanderwege gäbe, meist geht man einfach dort, wo es geht. Erst ein oder zwei Wege seien teilweise oder ganz markiert. Berghütten wie im alpinen Raum gibt es nicht.
Interessant wurde es dann wieder kurz vor Budva - die kleine Insel Sveti Stefan ist zur Gänze als Hoteldorf genutzt. Die Insel ist über einen Fußweg am Damm erreichbar. Davor sitzt ein Wächter und weit ins Land da specht er - aber nein, er spielte mit seinem Handy. Das nutzte ich und schritt forsch hin zum Dorf. Ein Hoteldorf in der Nicht-Saison, betrüblich!!! Wie ein mittelalterliches Dorf mit engen Gassen, Stiegen, Durchgängen ist es angelegt. Als ich dann wieder beim Verlassen beim Wächter vorbeikam, schaute er mich groß an, grüßte aber freundlich!
Es dunkelte schon, als ich mein heutiges Ziel Budva erreichte. Ein Hotel war schnell gefunden, an ein Suchen der 3 Dosen war nicht mehr zu denken, daher füllte ich meinen Magen mit einem "local-Bier" - Niksicko Pivo, einer Hühnersuppe und einem Paprika, Tomaten-Mischmasch. (Zusammen 8,50 Euro).
Ach ja, Währung ist hier Euro, das Hotel kostet heute mit Frühstück 29 Euro. Benzin kostet 1,15 Euro.


23.10.2016
Podgorica
Heute ist eine andere Leidenschaft durchgedrungen - Autokennzeichen. MNE. Da muss man doch schauen und fotografieren. Vor allem wird dann die Sammlung vollständiger.
Vor dem Frühstück machte ich mich auf zu einem der gefühlt Hundertausenden Klöstern. Ich kam zwar nicht bis zum Kloster selber - wahrscheinlich hätte ich die Bewohner (männlich oder weiblich???) gestört. So kämpfte ich halt mit Dornen der härtesten Art und überlebte.
Auf dem Weg in die Altstadt von Buda kam ich bei einem Hotel vorbei und da prangte ein Schild "Österreichisches Konsulat" - ob da unser Außenminister schon mal kurz da war?
Die Altstadt ist winzig klein - so wie Grado an der Adria, aber die Touristenstadt ist 20-mal größer. Also eine richtige Museumsstadt.
Bei dem Wanderweg an der Küste entlang waren die Kalkplatten verbogen, es sah toll aus. Natürlich gibt es auch Caches, die auf solche geologischen Besonderheiten hinweisen (das sind die Earth-Caches).
Was in anderen Gegenden Hunde sind, sind hier Katzen. Viele dieser lieben Tiere umschmeicheln den Tisch im Restaurant. Aber auch neugierige Gäste beim Loggen (so heißt das Eintragen in den Papierstreifen) sind sie.
Das Frühstück war etwas schwach - was mich aber nicht störte.
Gleich nach Budva war eine der österreichisch-ungarischen Festungsruinen. Dass sich da zufällig ein Cache befand, störte mich nicht weiter. Auch der Hinweis auf Schlangen ... (siehe Bericht von gestern).
Dort nahm ich zwei Travelbugs mit. Was das ist, erklär ich am letzten Tag!
Tivat war das nächste Ziel. Tivat hat neben Podgorica einen internationalen Flughafen. Der Ort selber ist halt so ein Badeort an der Ostseite der Adria. Die Verschiedenheit der Betriebe ist gering - Pizzeria, Restoran, Andenken, Klimbim, Strandzeug, Schuhe, Mode - öööödddd!
Und Wunschkennzeichen gibt es auch bei den Autos.
Bei Herceg Novi (im Norden von MNE), hatte ich kein Cacherglück. 3 Dosen waren nicht da - oder ich zu blind. Hier hab ich von 5 Dosen nur 3 gefunden.
Betrübt trat ich die Rückfahrt nach Podgorica an - über Kotor und Cetinj.
Dann betrat (eigentlich fuhr ich ein) in die wunderbare Landschaft des Kotor Fjords. Schon auf der Landkarte schaut diese Meeresbucht faszinierend aus. An der engsten Stelle gibt es eine Fähre - an der 4 Fährschiffe dauernd Autos, LKW, Busse und mich auch transportieren.
Heute bin ich mit dem Auto die ganze Bucht ausgefahren (Grund: es waren Caches verteilt). Ich kam an einigen gewaltigen Karstquellen, Badestränden, Hotels vorbei. Direkt aus dem Meer steigt das Gebirge bis auf 1000 m auf (Lovcen). Kotor war immer schon ein militärischer Hafen (heute nicht mehr). In der KuK-Zeit wurde der Ort befestigt - die Wehrbauten sind bis hoch hinauf angelegt, rings um auf den Bergen sind weitere Wehrbauten, die den Hafen Kotor vor Angriffen schützen sollten. Warum ich das weiß? Weil bei diesen Wehrbauten.... (irgendwo müssen die Dosen ja versteckt sein).
Kotor ist ein kleines Dubrovnik, das von Touristen überschwemmt wird. Kotor wird auch von den großen Kreuzfahrtschiffen angefahren - was ähnlich wie in Venedig erschreckend ausschaut, wenn so ein Schiff vor den Häusern vorbeizieht.
Endlich (um 16:00 Uhr) konnte ich meinen Magen mit den unvergleichlichen Spaghetti mit Tomatensauce füllen. Während des Tages ist ja für solche Nebensächlichkeiten keine Zeit - leider merkt man davon im Bauchumfang nichts, wie man auf dem "Geisterbild" sieht.
Die Sonne ging unter und ich hatte noch einen Höhepunkt der MNE-Tour vor mir. Die Fahrt von Kotor über das Gebirge nach Cetinj. In vielen Serpentinen kämpfte sich mein Skoda Rapid hinauf. Schau dir mal das Foto vom Navi an. Höhe und höher fuhr ich, einspurig und immer wieder ausweichend, denn Verkehr gibt es da viel.
Auf halber Höhe besuchte ich noch eine der Festungsruinen, etwas gruselig war’s schon, denn drin war es dunkel, nur mit meinem Handy-Funsellicht konnte ich etwa erkennen. Aber Dose fand ich keine. Natürlich hatte ich im Auto eine lichtstarke Taschenlampe, aber die war im Auto und nicht bei mir.
Und schon wurde es dunkel und dunkler, da nutzte mir die schöne Gebirgstrecke auch nichts, weil ich nur im Scheinwerferlicht etwas sah. Schade.
Aber so ist es halt um diese Jahreszeit.
Erst gegen 20:00 Uhr traf ich in Podgorica ein.

24.10.2016
Podgorica
Der heutige Tag hat es in sich.
Früh auf (1/2 6 Uhr) und zum Bahnhof gefahren. Trotz Mietauto - das hab ich am Bahnhof stehen gelassen - nutzte ich die Dienste der Željeznica Crne Gore.
Die Bahnstrecke von Belgrad nach Bar (an der Küste) gehört zu den schönsten Bahnstrecken Europas. Und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Also rein in den Zug, der pünktlich um 06:25 abfuhr. Die 3 Waggons hatten einen abgefahrenen Look - außen beschmiert (manche sagen sicher, das ist Kunst), innen abgewohnt. Die Fenster waren sehr schwer zu öffnen, die Abteiltür steckte, aber er fuhr pünktlich!
Bald nach Podgorica, das in einer Ebene liegt, verengte sich das Tal der Moraca. Die Bahn begann anzusteigen von 45 m auf 570 m. Und das auf spektakuläre Weise.
Eingleisig, eine Unmenge von Tunneln und Brücken mit 23 Haltestellen/Bahnhöfen ist sie angelegt. Die Ausblicke sind phänomenal. Das Kalkgebirge mit seinen Schichten, die aufgehende Sonne dazu, Tunnel - Brücke - Tunnel - Brücke, da muss man einfach beim Fenster rausschauen, fotografieren, staunen. Die Bahn gewinnt Höhe durch einige Schleifen. Das eindrucksvollste war aber das Mala-Rijeka-Viadukt über die Mala Rijeka. 198 m über dem Talgrund fährt die Bahn dahin, der höchste Pfeiler ist 138 m hoch, 500 m lang. Ich staunte nur so.
Danach ist die Bahnstrecke hoch auf dem Gebirge angelegt. Ist das kahle Kalkgebirge überwunden, taucht man in die Farbenwelt der herbstlichen Buchenwälder ein. ein wahres Farbenbad ist das.
Ab Kolasin war dann alles in Nebel getaucht und es war nicht viel zu sehen - soweit zur Beschreibung.
Meine Planung war, um 06:25 ab Podgorica bis nach 08:43 Bijelo Polje vor der serbischen Grenze zu fahren, dort kurz einen Kaffee zu trinken und den Zug um 09:03 wieder zurück nach Podgorica zu fahren. Also 2,5 Stunden hin und 2,5 Stunden zurück.
Mit der Zeit hatte mein Hin-Zug eine Verspätung von 23 Minuten, was für mich bedeutete, dass ich den Rück-Zug um 09:03 versäumen würde. Der nächste Zug zurück ginge dann erst nach 18:00 Uhr - das war mir dann zu spät.
Daher stieg ich bei der Hinfahrt um 08:40 zwei Stationen vor Bijelo Polje in Kruševo aus. Der Schaffner schaute mit zweifelnd an, sagte, wir seien erst in Kruševo und ich doch eine Fahrkarte bis Bijelo Polje hatte. Ich erklärte ihm das aber nicht (englisch konnte er nicht) und sprang trotzdem aus dem Zug. Da stand ich mit 2 anderen Passagieren, die abgeholt wurden beim Bahnhof und dann war ich allein. Am Fahrplan vergewisserte ich mich, dass der Zug zurück um 09:12 hier vorbeikommen würde. Dann schaute ich mich um - ich war in einem Nebelland, der Bahnhof, sonst nichts. In der Ferne einige Häuser. Wahrscheinlich ist dort der Bahnhof weit außerhalb des Ortes. Zweifel packten mich, ob es nicht besser gewesen sei, doch bis BP zu fahren. Denn der Gegenzug würde ja wegen der eingleisigen Strecke warten müssen. Aber dann könnte es sein, dass während mein Zug einfährt, der Gegenzug sich gerade in Bewegung setzt. Also hatte ich beschlossen, dass das Aussteigen in Kruševo die bessere Lösung wäre. Der Zug hatte dann 20 Minuten Verspätung (genau, dass was mein Zug hin gehabt hat). Und wer grüßt mich und verkauft mir die Fahrkarte zurück nach Podgorica? Derselbe Schaffner, der mich beim Aussteigen fragend angemahnt hatte.
Um 12:00 Uhr kamen wir dann in Podgorica an.
Mein Auto wartete auf mich und ich huschte ins Hotel, kurze Pause zu machen, auch die kurze Hose zog ich an. Dann legte ich meinen Plan für Nachmittag fest.
Das Kloster Ostrog nördlich von Podgorica gehört zu den wichtigsten Pilgerstätten der orthodoxen Christen. Da es dort eine Dose für mich gab, machte ich mich auf. Die Straße war teilweise kurvig, aber neu angelegt. Die letzten Kilometer schraubten sich serpentinenartig nach oben. Unter der Felsenwand war dann dieses Kloster an den Felsen gepickt.
Die Dose war schnell entdeckt und ich wollte - wenn ich schon da bin - das Kloster besichtigen. Aber die Hinweise, das Kloster nur mit passender Kleidung zu besichtigen, waren unübersehbar. Und da beim Klostereingang zwei streng schauende Mönche standen, wagte ich es nicht, doch die Kirche zu besuchen. Dann mussten halt einige Fotos von außen auch genügen.
Um 16:00 Uhr plante ich, bei der hohen Mala-Rijeka-Brücke zu sein, um dort die Dose zu holen und einen Zug auf der Brücke zu fotografieren.
Doch es kam anders. Hunger hatte ich und vor allem Durst. In einem Supermarkt (Voli Trade, Zlatica in Podgorica um 15:30) besorgte ich mir Brot, Wurst und Käse. Zurück zum Parkplatz verstaute ich den Einkauf am Hintersitz, die Fahrertür war geschlossen, der Autoschlüssel auf dem Fahrersitz, und warf die Hintertür zu. Ein verdächtiges Knacken verkündete mir: Schlüssel drin, alle Türen zu, Jause drin, Handy drin, Fotoapparat drin, Pass drin. Mehrmals umrundete ich das Auto und versuchte alle Türen zu öffnen, nichts da. Auch die Fenster, die ich während der Fahrt offen hatte, waren zu (ich bin ja ein ordentlicher Autofahrer).
Also bin ich zur Kasse und bat die Kassiererin, den Autoverleih surprice anzurufen. Die Nummer könnte sie im Internet nachlesen. Es kam dann gleich der Filialleiter daher: nein, Internet haben sie da nicht. Mein Hinweis auf sein Smartphone quittierte er mit einem: am Handy hat er kein Internet.
Ein Kunde (Milan) erbarmte sich meiner, suchte auf seinem Handy nach suprice-Telefonnummer. Mehrere Suchversuche scheiterten an der Schreibweise von surprice und an der schlechten Datenverbindung.
Da merkte ich, ich hatte den Hotelschlüssel im Hosensack. Er rief das Hotel Keto an und erklärte denen etwas. Er versicherte in Kürze würde mich einer der Hotelbediensteten am Supermarkt abholen und ins Hotel zurückbringen. Dann verabschiedete sich Milan.
Und ich stand da, öffnete vergebens verschlossene Autotüren und wartete. Eine bescheuerte Situation.
Ich stellte es mir so vor. Ich rufe bei suprice an und der kommt mit einem Zweitschlüssel, sperrt auf und ich habe wieder alles
Nach 10 Minuten kam der XX und schon war ich im Hotel. Ich holte den Mietvertrag aus dem Zimmer und bat die junge Dame (inzwischen weiß ich, es ist Sascha) an der Rezeption, dort anzurufen, und dort zu erklären, was mir passiert sei.
Ein langes Telefongespräch folgte, sie deutete schon siegessicher mit dem Daumen nach oben.
Dann die Erklärung: die Fa. surprice hat keinen Zweitschlüssel. Sie hat zwar einen, der liegt aber bei einer Bank. Um an den heranzukommen dauert es 5 - 7 Tage Administration.
Zwei Möglichkeiten wurden angeboten: a) ich suche mir einen, der das Auto ohne Schlüssel aufmachen kann b) ich schlage ein Autofenster ein.
Möglichkeit b) habe ich sofort ausgeschlossen.
Möglichkeit a) war illusorisch.
Aber a) war so illusorisch nicht, denn die Rezeptionistin rief den Hotelmanager an und dieser würde um so einen "Autoknacker" schauen.
Was blieb mir anderes übrig, als der Möglichkeit a) zuzustimmen. Wie man so einen findet? Einen Mechaniker, einen Autonarren, einen offiziellen Skoda-Dienst? Sascha erklärte mir, hier würden alle mit ihren Autoproblemen zu inoffiziellen Mechaniker gehen.

Aktueller Stand 17:59
Anruf von Rezeption: Eine der Autoknacker hat abgesagt, der Manager schaut um einen anderen.

Aktueller Stand um 18:24
Anruf von Rezeption: Jetzt ist einer von surprice direkt zum Auto gefahren und versucht es zu öffnen. Er wird sich melden. Sollte er das Auto nicht öffnen können, dann stellt surprice einen Zweitwagen ab morgen 16:00 Uhr. Das nutzt mir wenig, wenn mein Flug morgen vormittags geht.

Meine Überlegungen:
Sollte der surprice-Mann das Auto heute nicht öffnen können, dann wird morgen das Auto geöffnet (wie ist mir dann wurscht).
Dann hab ich trotzdem keinen Pass und muss evtl. zur österreichischen Botschaft gehen.
Das bedeutet für mich, dass ich heute den Flug noch umbuchen muss auf 1 / 2 Tage später.

Aktueller Stand um 19:00 - Endstand von heute!!
Der surprice-Mann konnte das Auto nicht öffnen. Er wird morgen im Laufe des Tages den Zweitschlüssel von der Bank holen - warum das entgegen der obigen Aussage dann doch so schnell geht??? - und bis 17:00 Uhr das Auto mit Schlüssel vors Hotel stellen.

Das bedeutet für mich:
a) den Flug von morgen um 09:50 habe ich bei Turkish Airlines um 100,- € umgebucht, weil den erwische ich nie und nimmer! Da aber am 26.10. kein Flug geht, werde ich am 27.10. zurückfliegen. Ohne Telefon oder Handy ist es nicht so leicht, aber da ich meinen Laptop mit Skype im Hotel bei einer Super-Anbindung habe, konnte ich es damit erledigen.
b) im Hotel habe ich mein Zimmer für 2 weitere Nächte gebucht.

Jetzt schaut es nicht mehr sooo verzweifelt aus, wie vor dem Supermarkt, aber es könnte besser sein. Gut ist es, Gewissheit zu haben, wie es weitergeht.

Da steht "mein" Auto: Voli Trade, Zlatica, Podgorica - falls Du nachschauen möchtest.

Und jetzt hab ich mir ein Bier verdient!!

24.10.2016
Podgorica
Bilder gibt es keine, denn wo ist der Fotoapparat?
Bitte auch keine Anrufe aufs Handy, denn wo ist es?
Und die Jause ist auch...!

Daher gehe ich jetzt ins Hotelrestaurant!!!

25.10.2016
Noch immer Podgorica
Den heutigen Tag hab ich ruhig angehen lassen. Ein Frühstück um 1/2 8(!) Uhr - also direkt mitten am Vormittag - hab ich genossen und hin und her überlegt, was ich heute tun soll.
In Podgorica habe diesmal schon 3 x geschlafen, 1x in der Früh im Dunkeln auf den Berg marschiert, dann zu einer Brücke, aber sonst?
Also los, erkunde Podgorica - das war das Thema des heutigen Tages.
Also marschierte ich mal in das Stadtzentrum. Der große Platz, der vor 10 Jahren große Baustelle war ist fertig, aber in seiner Einfachheit etwas öde, schattenlos, aber ideal, um irgendwelche Versammlungen abzuhalten.
Da ich an den untersten Etagen der Hauptstraße wenig interessiert bin, blickte ich, wie Hans-Guck-in-die-Luft immer nach oben. Man nennt das Kaufverweigerung. Es gibt ganz moderne Bauten und eben auch das, was vor mehreren Jahrzehnten modern war. Altbauten habe ich ganz wenige entdeckt, wobei ich kein Architekt bin, der den Begriff Altbauten definieren könnte - nur so aus dem Bauch heraus beurteile ich.
Die Flüsse und Bäche durch die Stadt sind glasklar, wie auch der Hauptfluss die Moraca. Wie Du auf den Bildern von gestern auch erkennst, sieht man immer bis zum Grund.
Ein großer Park ist in der Innenstadt, viele Cafés, Restaurant (wobei das im ehemals jugoslawischen Raum immer nur Restauran - oder kyrillisch PECTOPAH heißt - das nenn ich sparsam, ein Buchstabe eingespart und trotzdem kann man es verstehen).
Was ich nicht fand, waren Ansichtskarten. Entweder gibt es keine, oder es gibt sie in artfremden Geschäften (z.B. in Buchläden, Lebensmittelläden) oder in der Touristeninformation (diese war unbesetzt, geschlossen und sah leer aus).
Also gönnte ich mir einen Kaffee (Espresso 70 cent) und überlegte, was ich an diesem Tag noch tun könnte.
ZUGFAHREN
Gestern bin ich ja nach Osten an die Grenze gefahren und heute fahre ich nach Bar an die Küste nach Westen. 1 Stunde braucht der Zug dazu, 2 Stunden Aufenthalt und dann 1 Stunde zurück.
Die Strecke Podgorica - Bar wird am Tag mehrmals befahren, sodass nicht der ganze restliche Tag draufgeht.
Die Fahrkarte kaufte ich mir am Schalter - 2 Euro pro Richtung. Bei diesem Preis verkniff ich es mir, meine ÖBB-Seniorenkarte zu verwenden, womit man um 50% billiger fahren kann.
Der Zug fuhr pünktlich ab, donnerte durch die Ebene bis zum Skutarisee. Auf dieses Stück freute ich mich besonders. Denn da fährt die Bahn über dem Damm parallel zur Straße über den See. Mittendrin ist ... - aber da liest Du doch den Bericht vom 22.10.2016. Ein Bild des Skutarisees war in meinem ganz alten Geographiebuch (Seydlitz in Schwarz-Weiß) abgebildet. Das hat mich damals stark beeindruckt, und da freut es mich, dass ich das wirklich gesehen habe.
Zu Küste hin zieht sich das Gebirge von Nord nach Süden. Die Straße überwindet sie oben drüber (Radbericht vom 31.07.2006). Die andere Straße geht unten durch - 6,2 km ist der Sozina-Tunnel lang - nur für Autos. Die Bahn fährt auch im 6 km langen Tunnel unten durch.
Dann ist man am Meer und nach 20 Minuten erreicht man Bar. Diese Hafenstadt ist neben einem Badeort auch ein wichtiger Fährhafen nach Bari in Italien.
Ein einstündiger Marsch machte hungrig. Und so genoss ich meine erste Pizza - wobei ein Genuss war es nicht, aber ich hab sie halt gegessen, den die Jause ... (aber das ist ein anderes Kapitel).
Nach 2 Stunden Aufenthalt platzierte ich mich am Bahnhofscafe, um die Leute, die zum Zug kommen zu beobachten: manche werden gebracht, manche kommen, um wen abzuholen. einige Taxis fahren vor, einige zukünftige Passagiere sitzen auch im Café und beobachten die, die Leute beobachten.
Der Zug ist pünktlich da, alle steigen ein und zurück geht es dieselbe Strecke. Ohhh!!! Der Damm!

RÜCKBLENDE auf gestern: Bei der Rückfahrt von Kruševo war mein Abteil voll. 3 junge Männer hatten mir gegenüber Platz genommen, neben mir stellten sie einen Laptop hin, auf dem ein Film in montenegrinisch lief. Offenbar ein lustiger Film, denn immer wieder lachten sie auf, zerkugelten sich, schmunzelten. Das Fräulein (gibt es Herrlein auch? eigentlich nur bei den Hundebesitzern!) auf der anderen Seite des Laptops lachte dann auch mit - sie gehörte zwar nicht zu den dreien, aber es muss lustig gewesen sein.
Und ich sitz da und schau den anderen beim Lachen zu. Eine für mich witzige Situation - 4 zerkugeln sich und einer sitzt da wie eine Dumpfnuss - daher gibt es bei den Fotos auch ein entsprechendes Bild. Außerhalb der Abteilstür standen mit der Zeit auch 4 Leute und schauten und lachten.

Nach der Rückkehr in Podgorica sauste ich auf einem Hinterweg (ich liebe solche Hinterwege) zum Hotel.
Das war der heutige Tag.

25.10.2016
Auch noch in Podgorica
Ach so. Ich habe was vergessen, der Tag war ja von großer Ungewissheit geprägt.
Was ist, wenn in der Nacht der PKW aufgebrochen würde? Das würde die Lösung mit Fenstereinschlagen sein. Nur wäre der Inhalt des Autos dahin - also doch keine Lösung
Was ist, wenn der Schlüssel von der Bank doch nicht geholt werden könnte? Dann hätte ich noch einen Tag Zeitpuffer.
Was ist, wenn der Pass und mit ihm das Auto überhaupt dahin wäre? Dann muss die Polizei her, dann muss ich bei der österreichischen Botschaft (Svetlane Kane Radevic br.3 81000 Podgorica) einen Notpass mit der Verlustanzeige der Polizei beantragen. Was aber nicht so einfach wäre, denn die Öffnungszeiten der Botschaft richten sich nach den österreichischen Feiertage und da ist morgen Nationalfeiertag.

Genau solche Gedanken begleiteten mich lieblich den Tag über.
Zurück im Hotel sah ich auf dem Parkplatz KEIN mein Auto. Sascha aber hielt mir den Schlüssel entgegen. Der sei vor 30 Minuten abgegeben worden. HURRAAAA! Das Auto war noch vor dem Supermarkt (dort kauf ich nimmer ein!). Also Taxi oder zu Fuß? Meine Freude trug mich leichten Fußes die 4 km zum Supermarkt - puuuhhh war das weit!
Dann habe ich beim Anblick "meines" Autos von der Ferne den Schlüssel gedrückt - und es hat geantwortet "Blink-Blink". Wie nett! Schnell habe ich kontrolliert, ob alles da war: Pass JA, Handy JA, Fotoapparat JA, GPS JA, Navi JA, Powerpack JA, Jause JA - Herz was will ich mehr.
Ich habe dann im Supermarkt doch noch was gekauft - ein Trinkjoghurt- mmmhhhh". Dann bin ich zurück ins Hotel.
Dort habe ich der Sascha den Lagebricht erstattet und dann am Handy 3 Anrufe des Autovermieters gefunden.
Der Rückruf brachte ein neues Problem: der Surprice-Mitarbeiter A meldete sich. Er sagte, dass der Schlüssel an der Rezeption der Zweitschlüssel sei. Mein Schlüssel wäre noch im Auto, daher müsste ich jetzt 2 Schlüssel haben (ist ja witzig, zuerst keinen, und dann zwei). Er käme am Abend vorbei um den Zweitschlüssel wieder zu übernehmen. Ich erklärte ihm, ich hätte nur 1 vorgefunden und ich habe nur einen. Er kündigte an, dass ohne zwei Schlüssel das Auto nicht zurückgenommen werden könne. Verzweifelt suchte ich im Auto nach - nichts!!
Aber surprice hat die Mietdauer des Autos um die 2 benötigten Tage verlängert zum normalen Preis. Ich brachte dann die 2 Nächte Hotelkosten und 100 € Umbuchung zur Sprache, aber er sagte, das sei bei allen Autos so, dass sie sich nach einer gewissen Zeit selbst versperren, wenn alle Türen zu sind und er Schlüssel nicht im Startschloss steckt. Also bei meinem zu Hause (Toyota Verso) hab ich es nie bemerkt. Wenn ich wieder mal heimkommen sollte, werde ich eine Stunde sämtliche Schlüsselvarianten durchprobieren, ob das wirklich bei allen Autos ist.
Da musste wieder Sascha her. Ich erklärte ihr, was mir jetzt wieder vorgeworfen würde. Sie rief gleich den Suprice A an. Dieser hatte sich in der Zwischenzeit mit Surprice B (der den Schlüssel an der Rezeption hinterlegt hatte) abgesprochen und geklärt, dass der Zweitschlüssel bei B liegt, ich nur den Erstschlüssel habe und daher auch nur einen zurückgeben müsse.
Erst jetzt fiel die Belastung von mir - Dusche, Planung für Morgen, Optimismus, Freude am Dasein, ein kleiner Hurraaschrei waren das Ergebnis.

Wenn jetzt wer fragt, warum ich heute keine Dose gefunden habe und gestern auch nur eine, dem antwort ich: "Na und, ich hab auch anderes zu tun"!!

25.10.2016
Schon wieder Podgorica
Jetzt was Intimes:
Die Folge der Verzögerung. Ich muss mir jetzt noch Unterhosen und Socken kaufen.
Und dann gibt es das übliche Abendritual...

26.10.2016
Das letzte Mal in Podgorica
Heute war wieder ein Spitzentag. Gleich in der Früh bin ich los, um die Dose auf dem Aussichtsberg über Kotor zu holen. Zuerst musste ich nach Cetinj auf einer super ausgebauten Strecke.
Dann kämpfte ich (eigentlich mein Skoda Rapid) die vielen Serpentinen nach oben. Die schmale Straße wird großzügigst ausgebaut - nur derzeit ist es halt Baustelle.
Diesmal fuhr ich am Tag, was ich vor einigen Tagen des Abends im Dunkeln gefahren bin.
Welch reizvolle Landschaft, dies sich mir auftat. Für mich war es erstaunlich, wie auf einmal hoch am Berg in einer Polje wieder eine Ansiedlung - ein Dorf ist. Njegusi ist so eines, mit überraschend vielen Ferienhäusern, die aber im Herbst alle unbewohnt sind. Kurz vor Zanjev Do bog ich in den Nationalpark Lovcen ein - Maut 2 Euro. Dann ging es wieder aufwärts und aufwärts, bis ich zu einer Stelle kam, die als Aussichtspunkt angelegt ist.
Hier hatte ich ein traumhaftes Panorama (Film: Blick über Bucht von Kotor).
Da träumte ich längere Zeit, das ganz in der Nähe angekündigte Imbiss-Standel war natürlich um diese Zeit geschlossen.
Das hier eine Dose lag, ist doch klar, sonst wäre ich ja nie auf die Idee gekommen, da hinauf zu fahren.
Da in der Nähe (20 km entfernt) die nächsten Dosen lagen, fuhr ich natürlich weiter um den Lovcen herum. Da staunte ich dann aber gewaltig.
Auf einem Nebengipfel Jezerski Vhr wurde am Gipfel selber ein Riesenmausoleum für DEN montegrinischen Dichter Petar II. Petrovic-Njegoš errichtet. Der ist einer der bedeutendsten Dichter im serbisch-sprachigen Raum.
Die Ähnlichkeit des Vornamens mit dem Berichtschreiber ist verblüffend.
Vom Parkplatz aus geht man über 461 Stufen Großteils im Berg nach oben. Dort steht dann das große Mausoleum. In dem befindet sich eine 28-Tonnen schwere Steinskulptur vom Dichter. Im Keller ist der Sarkophag.
Das Ganze Gebäude wirkt beklemmend für mich. Da werden Tonnen von gestalteten Steinen auf den Gipfel eines Berges gebracht, um nicht so sehr des Dichter zu gedenken (das auch), aber vor allem die Macht und das Können der jeweiligen Herrscher/Regierung darzulegen. Die Geschichte mit dem Grabmal des Dichters ist etwas "kurvig".
Um es zu erreichen muss man von Cetinje 20 Kilometer fahren dann 461 Stufen hinauf steigen.
Hinter dem Mausoleum ist eine Aussichtsplattform, von der man laut dem dortigen Wärter ganz Montenegro überblicken kann. Heute war es etwas trüb, daher ging der Blick "nur" vom Meer zum Shkadarsee (Skutarisee)
Das ich die dort angelegten 2 Geocaches holte, war doch klar - deswegen war ich ja unterwegs.

So, und auf der Rückfahrt nach Podgorica benutze ich eine Seitenstraße, um dort eine Stara Most (also eine alte Brücke) zu bestaunen. Das ließ sich am besten machen, wenn man einen Shopska-Salat verzerrt. Das ist eine Mischung aus Gurken, Tomaten, Paprika mit Schafskäse drüber gerieben. In dem kleinen Ort waren Boote angelegt, um Touristen unter der Brücke und weiter ins Mündungsgebiet der Flüsse in den See zu führen.
Auch Fischer waren bei der Arbeit. Sie zogen ein Netz mit vielen kleinen Fischen aus dem Wasser und schüttelten diese aus dem Netz auf eine Folie. Danach warfen sie die meisten (weil zu kleinen) Fische wieder ins Wasser und behielten sich nur die fangwürdigen. [Was man so alles beobachten kann, wenn man Shopska-Salat isst.]

Gleich danach ist wieder ein Höhepunkt des heutigen Tages gekommen, der Blick auf den Fluss Rijeka Crnojevica. Dieser ruhig fließende Wasserlauf mündet auf der Nordseite des Skutarisees. Schau Dir die Bilder an.
Endlich kam mir auf dem Weg zum Aussichtspunkt (Dose!) eine Schlange, eine Kreuzotter, unter. Die war am Kopf eingedepscht und der Hinterteil (am Foto nicht sichtbar) aufgeplatzt (also schon tot). Denn bei den Beschreibungen einiger dieser MNE-Caches wurde auf Schlangengefahr hingewiesen.

Faszinierend ist immer wieder die Vielgestaltigkeit des Kalks.

Noch war der Tag nicht zu Ende. Jetzt startete ich los in Richtung Kolesin (also da, wo die Bahn hinfährt). Die Straße ist in einem Engtal gut ausgebaut, das Tal ist mit seinen Kalkwänden gewaltig. An der Wand sind Werbungen für Auto-Slep mit den Telefonnummern aufgemalt. Das nennt man halt ereignisbezogene Werbung am Platz des Geschehens.
Nach 40 km erreichte ich das Kloster Moraca. Ich war wie immer dieser Tage in einer nicht-gotteshaus-angepassten Touristenkleidung - kurze Hose, Leiberl bzw. Hemd über die Hose hängend, Turnschuhe (also bis zur Kenntlichkeit verkleideter Tourist). Einen Mönch machte ich gleich mit "sorry" und eine Handbewegung auf meine nackten Beine darauf aufmerksam, aber er zuckte nur mit den Schultern. Also bin ich dann rein. Fotografieren war verboten - das tu ich daher auch nicht. Ich lese immer die Namen der unzähligen Heiligen - mein kyrillisch wird von Jahr zu Jahr besser. Den Georg, den Stefan, den gibt es überall. Die Innenmalereien waren in dunklem Blau gehalten - wirklich toll.
Zum Trost für den Mönch (hoffentlich hatte der nicht Gewissenbisse wegen meine kurzen Hosen) spendete ich 3 Euro für die Kirche und natürlich steckte ich auch 5 Kerzen für meine Familie an. Manchmal gibt es auch 12 Kerzen.
Und ein Dankgebet an den Herrgott (auch wenn er hier ein orthodoxer war) habe ich für die unfallfreie, beeindruckende und vielseitige Reise gesprochen. Ein Cache war auch dort.

Jetzt war es dann höchste Zeit zurück zur großen Eisenbahnbrücke zu kommen, um die Brücke und mit etwas Glück einen Zug auf der Brücke zu fotografieren. Denn ich hatte dem Glück ja nachgeholfen und den Fahrplan studiert, wann ein Zug ungefähr drüberfährt. Also hin bis zum Ende der Straße, dann zu Fuß die 1,5 km weiter. Da gibt es einen ausgeschilderten Fotografierpunkt und dahinter einen Schranken. Die Dose beim Fotografierpunkt war die letzte des heutigen Tages (und damit der Reise). Auf dem Schranke ist was gestanden, aber das hab ich ignoriert - obwohl das ist ein Blödsinn, ignorieren kann man nur etwas, was man versteht. Da es kyrillisch war, hab ich es zwar lesen können, aber verstanden hab ich nichts. Jetzt im Nachhinein glaube ich zu wissen, was da darauf stand.
Die letzten 300 m bis zu Brücke legte ich fast zurück, da kam schon ein bellender Hund auf mich zu. Und ein Bahnbediensteter, der in dem kleinen Häuschen am Ende der Brücke, bzw. am Beginn des Tunnels saß, rief mich aufgeregt an, ich solle ... (ich hab's mit "verschwinden" interpretiert). Er zeigte mehrmals auf die Brücke, wo offenbar eine Videoüberwachung eingeschaltet war. Der Überwacher dieser Kamera saß offenbar ganz woanders und hatte den Wächter angerufen: "He! da kommt schon wieder einer, jag den Weg - immer die blöden Eisenbahnfanatiker!!". Und nachdem er aufgelegt hatte fuchtelte der Wächter und jagte mich weg.
Wenn ich ehrlich bin - ist dieser Ablauf von mir mit dem Text versehen worden, denn ich hab ja nur die Handlungen gesehen und nicht den Text dazu.
Also machte ich mich wieder auf (ich hatte sogar mein Kapperl mit der Aufschrift "Europol" auf - nutzlos) zurück zum Fotopunkt. Und genau dort nähert sich ein Zug der Brücke - ich hatte ja den Zeitpunkt geplant. Also her mit der Kamera und ich mach halt einen Film - und mittendrin geht der Akku aus. Schnell muss dann das Handy herhalten, ich wähle die Kamera und filme - zumindest dachte ich. Denn ich hatte vergessen den roten Aufnahmeknopf zusätzlich zu drücken.
Am, Ende hatte ich einen halben Film (siehe auf Dropbox im Ordner Filme), keine Fotos vom Zug - also ein äußerst unbefriedigendes Ergebnis.

Dann zurück nach Podgorica, wo ich gestern am Abend von der 5-Stern-Hotel Hilton eine Unmenge von Diplomatenautos gesehen hatte (zu dunkel zum Fotografieren). Aber heute war keiner da.
Da beschloss ich Schluss zu machen, fuhr ins Hotel, aß meine Pizza, trank mein Bier, kopierte Bilder ins Dropbox und begann den Bericht zu schreiben.


27.10.2016
Istanbul Starbuck
Der Rest ist kurz erzählt.
Ich hatte mich bei Sascha (die Rezeptionistin) mit Ferrero-Kugeln bedankt. Ohne sie, wäre einfach das Ganze nicht einfach gewesen.
Heute nach dem Frühstück bezahlte ich die Hotelrechnung und bekam vom Rezeptionisten eine Süßigkeit mit einem Gutenwünsche-Zettel (schau bei den Bildern nach) von den 4 Rezeptionistinnen und Rezeptionisten, die ich "verbraucht" hatte. Darüber hab ich mich sehr gefreut.

Und was mir sonst noch aufgefallen ist:
Keine Raiffeisenbank (in Albanien allgegenwärtig), aber die Erste Sparkasse - meine Bank!

Ich bedanke mich bei allen, die mitgelesen haben, es ist doch ein sehr persönlicher Bericht mit alle den Ängsten und Nöten eines [verrückten] Touristen.
Schön war’s. Ich hab mein 27. Land erreicht. Insgesamt waren es dann 34 Geocaches. Damit bin ich sehr zufrieden. Derzeit gibt es in ganz Montenegro 73 Caches.
Ich habe tollen Landschaften gesehen, habe mich mangelhaft und wenig ernährt, habe viel geschlafen, manchmal auch weniger, bin von einer Wanze gebissen worden, habe eine tote Kreuzotter gesehen, bin viel mit dem Zug gefahren (trotz Leihauto), habe Aussichten genossen, habe einen Einreisestempel in Podgorica erhalten, habe KEINEN Ausreisestempel erhalten, hatte meinen Reiselaptop mit, mit dem ich die Telefonate zur Klärung der Autosituation, Flugumbuchung, Heimanrufe erledigen konnte, in der Früh im Dunkeln marschiert, nass geworden, viele Autokennzeichen fotografiert, einige Travelbugs (s.u.) bewegt, Ersatz für Geocacherdosen geleistet, einige Radfahrer (Radreisende) im Nebel gesehen, traumhafte Herbstfarben genossen, Maronibäume gesehen und die Stachel verspürt, Käse aus Österreich gegessen, Grenze Albanien / Montenegro fast ergangen, klasse Festungen besucht, unheimliche Festungen besucht, Ruinen besucht,...

Das Datenroaming kostet (laut Info-SMS) 1,49 € pro 100 KB - d.h. ein Bild mit 1 MB (= 1000 KB) kostet zum Übertragen schon mal 14,90 Euro. Wenn dann wer ein Mail mit 1 Anhang schickt, dann kostet die Mailabfrage ein Vermögen. Ein SMS versenden kostet 0,40 €. Daher geht es vernünftigerweise nur im WLAN.

Was ist ein Travelbug?
Eine Cacherdose enthält je nach Größe einen Papierstreifen, Büchlein, in das man seinen Nickname und das Datum einschreibt. Ist die Dose groß genug, kann man auch kleine "Schätze" - z.B. aus Überraschungseiern hineinlegen. Wenn man so eine Dose findet, darf man sich so einen Schatz herausnehmen, muss aber einen anderen Schatz einlegen. So wandern manche Schätze von Cache zu Cache. Natürlich können die auch verschwinden. Es ist doch interessant, wo dann mein Schatz weiterwandert. Genau dazu dient ein Travelbug. Man hängt an das Blechblatterl mit der Nummer irgendein Ding - du hast auf meinen Fotos ein Zahnrad eines Kettenwerfers gesehen. Er hat eine eindeutige Nummer, mit der er im Internet geloggt werden kann. Wenn ich in einer Dose so einen Travelbug finde, nehme ich ihn mit und lege ihn in eine andere Dose.
Jedes Mal, wenn einer meiner TBs gefunden und geloggt wird, erhalte ich ein Mail mit einer Karte, wo dieser Bug schon herumgereist ist.

Ich sitze wieder in Istanbul beim Starbuck, diesmal habe ich den Namen Sertas gewählt und habe sofort die Rückmeldung bekommen "The same as me!" - ist doch witzig!
Und jetzt geht der Flieger in 1 Stunde - ich mache mich auf zum Gate.


27.10.2016
Nachtrag
Das Wort Skoda ist ein tschechisches Wort. Auf Google übersetzt erhält man folgende Begriffe:

Übersetzungen für škoda
Substantiv: der Schaden
škoda, ztráta, újma, úhona, úraz, poškození

die Beschädigung
poškození, poškozování, postižení, porouchání, škoda

das schade
škoda, ztráta, újma, úraz, úhona, vada

der Abtrag
újma, škoda, zaplacení

der Eintrag
zápis, záznam, škoda, újma

die Einbuße
škoda, ztráta, újma, prodělek, prohra

der Schlappe
neúspěch, porážka, nezdar, škoda, ztráta, mravní úhona

der Nachteil
nedostatek, neprospěch, nevýhoda, škoda, úhona, újma

der Jammer
bída, nouze, tíseň, útrapy, hoře, škoda

ICH WAR MIT DEM AUTO SEEEHHRR ZUFRIEDEN, bis auf...